Wir haben folgendes Problem.
Wir haben eine Anfangswertaufgabe AWA, von der wir nur die Lösung an einer Stelle kennen. Wir wollen ein Verfahren entwickeln, daß uns eine Näherungslösung an einer nachfolgenden Stelle angibt, genauer, eine Einschließung der Näherungslösung an dieser Stelle.
Dieses Verfahren soll später auf einem Rechner impementiert werden.
Eine Anfangswertaufgabe ist gegeben durch
Man kann versuchen eine AWA, mit den Verfahren die wir in ANA III kennengelernt haben, exakt zu lösen. Dies geht leider nur, wenn man es schafft die DGL in eine dort aufgeführte Form umzuformen.
Man kann aber auch versuchen die Lösung durch Einschrittverfahren zu approximieren und sie dann einzuschließen.
Nun taucht die Frage auf, was das vorhin erwähnte Verfahren alles können soll?
Das Verfahren soll den Wert der Lösung
an einer Stelle
approximieren. Dabei soll ausgehend von
mittels Betrachtung einer
Taylorentwicklung mit Restglied auf die Lösung an der nachfolgenden
Stelle
geschlossen werden. Der dabei auftretenden lokale
Fehler, das Restglied, wird dann approximiert und durch ein Intervall
eingeschlossen.
Durch iteratives Anwenden des Verfahrens kann die Lösung z.B. an
äquidistanten Punkten bestimmt werden. Dazu definieren wir ein Gitter
mit (konstanter) Schrittweite
. Wir betrachten
obige AWA und bezeichnen dabei deren Lösungen
in den
Gitterpunkten
mit
.
Des weiteren gibt es zu sagen, daß das Verfahren durchweg Intervallrechnung verwenden soll.
Nun wollen wir das Verfahren von der mathematischen Seite betrachten.
Dazu folgt erste eine kurze Einführung von Begriffen.
Beispiel:
Des weiteren kann man Intervalle in Funktionen einsetzten. Die
intervallmäßige Auswertung einer Funktion schließt dann den Wertebereich
einer Funktion auf einem Intervall ein. Es gilt also:
Beispiel:
Addieren wir zwei reelle Intervall im Rechner, so liefert uns die
Intervallarithmetik wie wir oben gesehen haben
. Diese Zahlen
müssen aber für der Rechner nicht unbedingt darstellbar sein. Damit
unser Ergebnis richtig bleibt, muss der Rechner dann runden. Und wie?
Sei
ein Intervall. Könnten wir die Lösung
auf
dem Intervall
einschließen, so könnten wir auch deren Ableitung
auf dem Intervall
einschließen.
Wir suchen also eine Einschließung der Lösung
auf dem Intervall
.
Dazu wandeln wir zuerst das AWP in ein Fixpunktproblem um, bei dessen Lösung uns der Banachsche Fixpunktsatz behilflich ist.
Wegen der Stetigkeit von
in der AWA [1] (1.2.2.2) kann die AWA durch
komponentenweise Integration in eine äquivalente Integralform
umgewandelt werden. D.h. es gilt
Diese Integralgleichung schreiben wir mit
als Operatorgleichung.
ist dabei der Integraloperator, der aus der ANA III Vorlesung
bekannt ist.
Gelten die Vorraussetzungen,
Also, jede Lösung des AWP ist ein Fixpunkt des Operators
, d.h.
.
Und umgekehrt ist jeder Fixpunkt des Operators
Lösung der AWA.
Wir wenden diesen BFPS auf unser Problem an.
Dieser Satz ist eine Folgerung aus dem BFPS. Zu beweisen ist noch die
Gleichung
. Die anderen Vorraussetzungen sind erfüllt.
ist eine abgeschlossene Teilmenge des Banachraumes
.
Die Wertebereiche aller Funktionen
liegen in
.
Sei
beliebig, dann ist also
für alle
und es gilt:
Daraus folgt mit dem BFPS, daß die AWA auf ganz J genau eine Lösung
besitzt die ganz in
verläuft.
Das Gleichheitszeichen am Ende der ersten Zeile gilt wegen
fürund beliebige Intervalle
.
Die Inklusion in der zweiten Zeile gilt wegen. Setzt man die Grenzen
sowie
für
ein, so erkennt man, daß sich
nur in dem Intervall
bewegen kann.
Für eine beliebige Funktionliegt also der Wertebereich von
wieder in dem Intervall
, d.h. es ist
. Da
auf
erklärt ist, dort einer Lipschitzbedingung mit Lipschitzkonstanten
genügt und ferner
die abgeschlossenen Teilmenge
des Banachraumes
in sich abbildet, folgt aus dem Banachschen Fixpunktsatz, daß der Operator
in
genau einen Fixpunkt
besitzt.
Wegenfür alle Funktionen
und
verläuft die Fixpunktfunktion
sogar ganz in dem Intervall
. Damit hat auch die AWA genau eine Lösung auf dem Intervall
, die ganz in dem Intervall
, sogar ganz in dem Intervall
verläuft.
Insgesamt können wir also mit Hilfe des Banachschen Fixpunktsatz ein
grobes Einschließungsintervall
bzw.
der Lösung
auf
finden.
Im nächsten Abschnitt soll gezeigt werden wie man die Ableitungen und die Koeffizienten der Taylorentwicklung rekursiv berechnen kann.
Mit Hilfe der rekursiven Berechnung der Ableitungen und der
Taylorkoeffizienten soll durch entwickeln der Lösung
auf die
Lösung
zum Zeitpunkt
geschloßen werden.
Für Funktionen, die durch arithmetische Operationen aus anderen
Funktionen zusammengesetzt sind, lassen sich Rechenregeln für die
Taylorkoeffizienten angeben, wie z.B.
Berücksichtigt man noch die Beziehung
Nun wollen wir die Taylorkoeffizienten und die Ableitungen des Taylorpolynoms rekursiv berechnen.
Der Einfachkeit halber nehmen wir an, die betrachteten Funktionen, sind
reelle Funktionen von
in einer Umgebung von
. Sie sollen noch
-mal stetig differenzierbar sein, mit
genügend groß.
Mit der obigen Abkürzung haben wir z.B. eine Taylorreihe von
um
in der Form
Wir schreiben nun zur Funktion
aus [4] (1.1.4.2) die Reihe für die
Ableitung
auf. Diese ist
Verwenden wir nun die Abkürzung (Beziehung [3]) entsprechend
für
, so erhalten wir die Koeffizienten
An einem sehr kleinen Beispiel will ich nun die rekursive Berechnung
der Taylorkoeffizienten demonstrieren. Gegeben sei die AWA
. Für Nun kommen wir zum eigentlichen Verfahren.
In diesem Abschnitt entwickeln wir unser Einschließungsverfahren für die Lösung einer gewöhnlichen AWA. Als Grundlage dient uns das explizite Einschrittverfahren.
Das explizite Einschrittverfahren ist ein Verfahren mit dem man aus der
Lösung
zum Zeitpunkt
eine Lösung zum Zeitpunkt
approximieren kann.
Wir betrachten das o.a. Gitter
mit konstanter
Schrittweite
. Sei
die Verfahrensfunktion des
Einschrittverfahrens, so ist
Die Gleichung [6] ist eine exakte Darstellung der Lösung
an den Gitterpunkten. Klar, es wird ja der exakte lokale Fehler
verwendet. Dieser ist natürlich nicht bekannt.
Wir erhalten eine Approximation für den lokalen Fehler, in dem wir
so wählen, daß
gerade ein Taylorpolynom um
mit Entwicklungsstelle
, ausgewertet an der Stelle
ist.
Haben wir also ein Taylorpolynom vom Grad
, so hat der lokale
Fehler eine Darstellung in der Form
Da wir die p-te Ableitung über
aus unserer Abschätzung
bzw.
für
über dem Intervall
rekursiv
berechnen können, erhalten wir eine Einschließung für den lokalen
Fehler.
Im nächsten Abschnitt wollen wir nach dem lokalen Fehler entwickeln.
Hierzu betrachten wir die Beziehung [6] völlig isoliert, d.h. lediglich
als eine Vorschrift, die den Vektoren
(zunächst noch unabhängige Variablen) einen Vektor
zuordnet:
Das Argument
in [8] (2.2.2) soll die bei der Entwicklung
auftretenden Zwischenstellen andeuten, welche für die
Komponenten
von
i.a. paarweise verschieden sind.
Die Ableitungen in [8] (2.2.2) können aus [6] (2.1.1) rekursiv berechnet
werden. Mit der Kettenregel ist nämlich
Mit den Abkürzungen
Anmerkung:
Bei diesen Abkürzungen so wie auch in [9] (2.2.4) ist das Argumentweggelassen worden. Da sich die Zwischenstellen von einem Zeitschritt zum nächsten ändern, hängen die Matrizen
wegen diesen Zwischenstellen auch noch von dem Index
ab.
Auf den weiteren Index wird verzichtet, weil die Matrizenspäter in Intervallmatrizen eingeschloßen werden. Im Einschließungsalgorithmus werden dann ausschließlich diese Intervallmatrizen verwendet. Die zusätzliche Indizierung erübrigt sich, da zur Berechnung dieser Intervallmatrizen für die Fehler
später Einschließungen
eingesetzt werden. Diese Einschließungen (Intervalle) hängen nicht vom Zeitindex
ab. Die Entwicklungspunkte
werden ebenfalls unabhängig von
gewählt.
Damit sind also die Intervallmatrizen unabhängig vonAlso können wir [8] (2.2.2) wie folgt schreiben:.
Nun wollen wir uns der Berechnung der Matrizen
zuwenden.
Die Berechnung der Matrizen
bzw. deren intervallmäßige Berechnung
ist ein relativ aufwendiger Teil des Verfahrens. Der Autor formuliert
das entsprechende Resultat als Satz.
Dieser Satz soll also zeigen, daß die Matrizen
auf die gleiche
Weise berechnet werden können wie die Lösung
selbst, nämlich durch
Anwendung der rekursiven Formeln auf die obige Variationsgleichung [12].
Nun haben wir alles zusammen um das Verfahren zu implementieren.
Das Gerüst dieses Verfahrens kann in den folgenden fünf Schritten
festgehalten werden. Wir nehmen an, daß zum Zeitpunkt
die
Lösungseinschließung
bereits berechnet worden ist, was ja für
erfüllt ist.
berechne damit und mit
..
Nun will ich die Grobgliederung nochmals ausführlicher erklären.
Kann dieser Schritt nicht erfolgreich beendet werden, so kann man
dies erzwingen indem man die Schrittweite
genügend klein
wählt.
Dies macht man in der folgenden Weise.
Man wähle ein Startintervallwelches
im Inneren enthält. Dann iteriert man
Dies macht man solange bisist. Das Ergebnisintervall dieser Iteration wird dann wieder
genannt. Wird die Inklusion erreicht, so ist dieser Schritt beendet, da Satz I (1.2.2.8) die Existenz der Lösung auf ganz
im Intervall
garantiert.
Hier muß eine Einschließung für den lokalen Fehler berechnet werden, der sich durch die Lösungbzw. deren Ableitungen ausdrücken lassen muß. Im Fall der Taylorentwicklung werten wir die Darstellung des lokalen Fehlers [7] (2.1.2) über dem Intervall
aus Punkt a) aus, was uns eine Einschließung
von
liefert.
Die intervallmäßige Berechnung der Einschließungen
wird dann
durch intervallmäßige Auswertung dieser Rekursionsformeln erreicht.
Also die Sache mit den
ist nichts anderes, als die
Auswertung des Taylorpolynoms vom Grad
.
Ein solcher Schnitt liefert leider nicht sehr viel bessere Einschließungen als das der Aufwand für einen solchen Schnitt vertretbar wäre.
kann als beliebiger Punkt aus dem lokalen Fehler-Intervall
das ihn Schritt b) berechnet wurde, gewählt werden (z.B.
der Mittelpunkt).
WICHTIG:
muß aus diesem Intervall gewählt wird, da mit
diesem Intervall in c) die Einschließung der Matrix
berechnet wird.
In diesem letzten Abschnitt will ich nur kurz verschiedene Methoden
erwähnen, mit denen man den globalen Fehler mittels der berechneten
Näherungslösung
gut einschließen kann. Der globale
Fehler ist vom Autor definiert als die Differenz
zwischen
exakter Lösung
und Näherungslösung
.
Dieser Teil des Einschließungsverfahrens ist wohl am schwierigsten allgemein beherrschbar, da bei verschiedenen DGL oft nur verschiedene Methoden gute Einschließungen liefern und auch bei ein und derselben DGL ist oftmals das Verhalten der speziell untersuchten Lösung für die Wahl der Einschließungsmethode entscheidend.
Wie man aus der Gleichung [8] sehen kann, kann man
folgendermaßen schreiben:
Hierfür gibt der Autor verschiedene Auswertungsmethoden an, die ich nur mit Namen erwähnen will.
In der nun folgenden Tabelle sind die drei verschieden Auswertungen verglichen worden.
Die AWA lautet
| t | 1 | 2 | 3 |
| 10 | 2.2E-05 | 5.9E-10 | 6.6E-14 |
| 20 | 7.8e+01 | 6.8E-10 | 6.7E-18 |
| 27 | --- | 4.0E+28 | 8.3E-21 |
| 40 | --- | --- | 2.8E-26 |
| 10 | --- | --- | 6.2E-52 |
| 150 | --- | --- | 1.8E-73 |
| 200 | --- | --- | 4.7E-95 |
| 250 | --- | --- | 8.0E-98 |